©Philip Sommer

Fujifilm X100s Review und Meinung

September 28, 2014 Gear, Street Photography

Wie kommt man auf die Idee?

Bis zu diesem Fuji X100s review ist nun fast 1 Jahr vergangen. Alles fing damit an, dass mir die Kamera fehlte, die ich IMMER dabei habe. Meine DSLR war mir hier zu schwer, groß und unhandlich. Mein Wunsch war eine kleine Kamera mit toller Bildqualität im Taschenformat. Unbedarft habe ich mich bei den 2 großen Marken umgeschaut, aber nicht das gefunden, was mich schließlich überzeugte. Meine Hauptkriterien waren hierbei:

  • Die Kamera muss RAW Dateien liefern können
  • Die Bildqualität sollte so gut wie möglich sein
  • Die Kamera soll unbelastend am Körper getragen werden können

Schnell wurde mir klar, dass die Fuji X100s alle meine Kriterien erfüllen konnte. Aber leider auch gut teuer. Aus dem Affekt im Elektronikmarkt griff ich zur Fuji X20, welche schon echt nicht schlecht ist, meinen Ansprüchen an Bildqualität und Detailreichtum aber nicht gerecht werden konnte. Schade.

Was soll ich tun? X20 umtauschen, X100s kaufen.

Was soll ich sagen? Hat sich wahnsinnig gelohnt! Eine unglaubliche Kamera in tollem Gehäuse mit kompakten Abmessungen! Konzentriert auf die wesentlichen Einstellungen, die ein Fotograf braucht: Blende, Belichtungszeit, ISO

Die Blende wird klassisch über das Blendenwahlrad am Objektiv eingestellt. Die Belichtung über ein separates Rädchen auf der Oberseite des Gehäuses. Nur die ISO-Einstellung versteckt sich ein wenig im Menü (Schade!).

Fujifilm X100s Review

Was wäre ein Review ohne eine kurze Auflistung der Spezifikationen? Hier in der Reihenfolge, wie sie aus meiner Sicht relevant sind:

  • Sensor: 16MP APS-C sized X-Trans CMOS II (Whatever that means)
  • ISO 200-6400 (Standard und wahnsinnig rauscharm)
  • Nicht wechselbare Festbrennweite 23mm (entspricht 35mm Kleinbild)
  • Unterstützt Fuji RAW (RAF, rennt mit Lightroom ohne Probleme)
  • Fokus: TTL contrast & TTL phase detection (sitzt schnell und sicher!)
Fujifilm X100s review

Fujifilm X100s

Sensor

Der Sensor im APS-C Format muss sich hinter den Sensoren von TOP-DSLRs nicht verstecken. Die Auflösung hat mit 16MP einen Sweetspot erwischt, der eigentlich für alles reicht. Auch, um hier und da zu croppen und das Bild zurecht zu rücken. Insgesamt gilt natürlich “Get it right in the camera”, dann kommt man mit der Auflösung locker aus! Die Qualität der Farben und der Details ist Wahnsinn und lädt dazu ein, die DSLR daheim zu lassen. Ich muss auch ehrlich gestehen, dass ich immer mal ein bisschen grübel, eine Fuji X-T1 oder X-E2 und eine Hand voll Festbrennweiten zu kaufen. Diese Kameras haben den identischen Sensor, aber eben auch die Möglichkeit, Objektive zu tauschen. Statt mit Rollkoffer könnte man fast mit Rucksack zum Shooting. Nun gut, das verlässt den Rahmen des X100s review.

ISO performance

Die Fuji X100s bietet unfassbar gute low-light-performance. Hier muss sie sich wirklich nicht für professionellen Vollformat DSLRs verstecken. Um meinen Punkt klar zu machen hier der Link zu einem Comparison Chart von dpreview: Fuji X100x vs Nikon D4 vs Nikon D7100 vs Nikon D800

Ich denke, das verdeutlich meinen Punkt! Die Fuji X100s spielt vom Rauschverhalten in der Liga der vollformatigen Nikon D4! Ich finde das echt unglaublich beeindruckend und möchte das in meinem X100s review unbedingt erwähnt wissen. Außerdem möchte ich betonen, dass ich in diesem Teil des X100s review lediglich vom Bildrauschen spreche.

23mm Festbrennweite

Mit den 23mm hadere ich ein bisschen. Für mich und meine Art zu fotografieren wünsche ich mir eher 35mm an APS-C. Für mich also immer wieder eine kleine Umgewöhnung. Ich frage mich, woran das liegt? Ich glaube, dass 23mm Brennweite über das gewohnte Blickfeld hinaus gehen und es dadurch ein wenig erschweren, Räumlichkeit intuitiv zu erfassen. Dass es sich hier um eine Festbrennweite handelt, mag den ein oder anderen potentiellen Käufer schockieren und vielleicht vom Kauf abhalten, für mich ist das klar ein PRO-Argument. Fotografieren mit Festbrennweiten und das ausklammern eines Freiheitsgrades führt die Fotografie an der Stelle zu der puristischen Herangehensweise und Erfahrung, die sie immer war.

Bei Offenblende (f2.0) wirken die Bilder etwas weich und unscharf in den Ecken, wobei das entstehende Bokeh sehr brauchbar ist. Ab f4 zeigt die Festbrennweite ihre Qualitäten hinsichtlich Schärfe und Detailzeichnung.

RAW und JPEG

Die Fuji RAF-Dateien fließen unproblematisch in meinen Lightroom Workflow ein. Was mir auffällt (liegt aber sicher an Adobe), dass die RAF-Dateien etwas länger zum öffnen und laden benötigen als die NEF-Dateien meiner Nikon Kameras. Das Problem löst sich durch einfache Konvertierung zum Adobe DNG (jaja, hier scheiden sich die Geister…).

Die problemlose Integration in meinen Workflow ist mir sehr wichtig und gelingt hier vollends.

Fokus

Der Autofokus sitzt meist ohne langes Suchen perfekt. Unter schlechten Lichtverhältnissen und im Makrobereich kann es schon vorkommen, dass der AF seine Zeit benötigt. So bald das Subjekt aber mehr als 1 Meter entfernt liegt, ist der Fokus extrem schnell und sitzt 100%ig. Der Unterschied zur DSLR ist, dass der Phasenfokus hier auf dem Sensor selber sitzt und nicht auf dem hinuntergeklappten Spiegel. Insofern gibt es keinen notorischen Front- oder Backfokus, da sich solche Effekte durch die Sensorkoppelung von alleine erledigen.

Grandios ist auch der manuelle Fokus. Sehr brauchbar und fein zu justieren. Das hat Fuji wirklich toll umgesetzt.

Leider ist derKontinuierliche AF meiner Meinung nach nicht zu gebrauchen. Er besitzt nur 1 Fokusfeld und dieses zieht den Fokus nicht bei angedrückten Auslöser nach sondern wirklich kontinuierlich. Dies verbraucht extrem viel Strom und lässt den ohnehin schmalen Akku schnell in die Knie gehen.

Sucher

Die X100s verfügt über 3 verschiedene Suchermodi. Sie besitzt einen kombinierten optischen Sucher mit elektronischem Sucher. Eine großartige Idee mit perfekter Umsetzung. Ist der optische Sucher aktiv, schaut man durch den parallaxenverschobenen Sucher direkt, bekommt aber alle nötigen (und konfigurierbaren) Informationen als overlay eingeblendet. Schaltet man auf den elektronischen Sucher um, schiebt sich ein Display in den optischen Sucher und man schaut quasi Through the lens. Ich finde diese Kombination sehr gelungen und großartig umgesetzt. Sie bietet für jede Situation die passende Option, den Sucher zu benutzen. Natürlich kann man, als 3. Alternative, das Bild auf dem rückwärtigen Bildschirm betrachten und diesen als Sucher nutzen.

Akku

Der Akku NP-95 siedelt sich in Kombination mit dieser Kamera im Mittelfeld an. Es kommt extrem auf die Nutzung der features der Kamera an, wie lange der Akku hält. Insbesondere, ob man den optischen oder den elektronischen Sucher nutzt, wirkt sich signifikant auf die Akkulaufzeit aus. Die Kamera verfügt auch über einen Stromsparmodus, der das Verhalten der Kamera aber insgesamt verlangsamt, was sich besonders in der Fokusgeschwindigkeit niederschlägt.

Belichtungszeiten und Verschluss

Die X100s besitzt einen Zentralverschluss und löst damit fast geräuschlos aus. Sehr praktisch! Technisch bedingt stehen leider nicht alle Belichtungszeiten bei allen Blenden zur Verfügung. So liegt die maximale Belichtungszeit bei f2 bei 1/1000s, bei f5.6 1/2000s und ab f8 bei 1/4000s. Schade, so ist man schon bei moderatem Tageslicht zum Abblenden gezwungen. Wahrscheinlich wurde deswegen der ND-Filter integriert.

ND Filter

Ja, Du hast richtig gelesen, diese Kamera hat einen neutralen Graufilter integriert. Großartigerweise direkt über 3EV. Leider versteckt auch dieser sich ein wenig im Menü und ist damit nicht spontan einsetzbar. Die X100s verfügt über einen frei belegbaren Knopf neben dem Auslöser. Bei mir ist dieser mit den ISO-Einstellungen belegt. Alternativ kann man aber auch den ND-Filter auf diesen Knopf legen.

Das Fazit meines Fujifilm X100s review

Die Fuji X100s ist eine großartige und kompakte Kamera. Während meiner letzten Reise nach Israel hatte ich nur die X100s in der Tasche und fühlte mich jederzeit ausgerüstet.

Natürlich muss die Kamera zur der Art des Fotografen und zum Zweck passen. Für die Straßen der Welt und lange Reisen ist diese Kamera jedenfalls der Hammer. Kaum jemand nimmt Notiz von ihr, fühlt sich fotografiert oder belästigt. Das Gehäuse ist robust und stabil aber leider nicht spritzwassergeschützt. Die 23mm (35mm KB) sind für mich immer gewöhnungsbedürftig aber eigentlich genau richtig. Fuji hat es echt drauf, was sie mit der X-Linie zaubern!!!

Als Nachteil sehe ich die Problematik mit der Kopplung von maximaler Verschlusszeit und Blende. Leider sind einige wesentliche Einstellungen wie ISO und der ND-Filter nur wahlweise auf den einzigen Custom-Button zu legen und verstecken sich ansonsten im Menü. Das sind aber eher kleine Nachteile zu einer sonst absolut grandiosen Kamera.

Für Studioshootings oder Veranstaltungen und Hochzeiten sehe ich die X100s eher als Ergänzung als als Hauptkamera.

Empfehlung

Der empfindlichste Punkt der X100s ist sicherlich die Festbrennweite. Beim Fokussieren bewegt sich das Frontelement ein wenig aus dem Gehäuse raus und rein. Aus meiner Sicht macht es Sinn, das nicht austauschbare Objektiv angemessen mit einem hochwertigen UV-Filter zu schützen. Hierfür benötigt man den zur Gegenlichtblende zugehörigen Adapterring (siehe Bild). GeLi und Adapterring müssen keineswegs teure Originale von Fuji sein, ein günstiger Nachbau tut es auch

Ich empfehle den JJC LH-JX100, sitzt perfekt, passt farblich und kostet wenig. Dazu empfehle ich den Hoya HMC UV Filter 49mm, günstig und hochwertig vergütet. Damit ist die Festbrennweite perfekt gegen Staub und Verkratzen geschützt und die Kamera geht in der Jackentasche mit.

Btw: Einer meiner Lieblingsfotografen Zack Arias hat ein großartiges X100s Review geschrieben: Fuji x100s Review :: A Camera Walks Into A Bar

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